Hengsteysee - Wirtsch. Bedeutung Übersicht

aus:

Die wirtschaftliche Bedeutung des Hengsteysees

(Ein Aufsatz aus dem Jahr 1930)

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Der Hengsteysee erstreckt sich in 4 km Länge und in einer durchschnittlichen Breite von 400 m über das gesamte Vorland der Ruhr. Er wird im Norden durch die steil zur Ruhr hin abfallenden Höhen des Ardeygebirges und im Süden durch den vorhandenen Bahndamm von Hengstey begrenzt. Den unteren Abschluß bildet ein Walzenwehr, das in seiner Größe das erste in Europa ist. Der See hat bei einer Oberfläche von 1,6 km² einen Stauinhalt von 2,8 Millionen m³, und das Gefälle von 4,5 m wird in einer Laufwasserkraft neben dem Wehr ausgenutzt.
160 m oberhalb des Hengsteysees, auf den Höhen des Ardeygebirges, ist ein Speicherbecken von über 1,2 Millionen m³ Inhalt in den Fels gesprengt. Dieser Höhenspeicher ist mit dem Flußsee durch einen kurzen Stollen und anschließenden 4 Rohrleitungen von je im Mittel 3 m Ø verbunden. Der Betrieb erfolgt dergestalt, daß während der Nacht 1,2 Millionen m³ aus dem See in das hochgelegene Speicherbecken gehoben werden.
Für diese Pumparbeit benutzt man sogenannten Abfallstrom, der aus süddeutschen und Tiroler Wasserkräften wie auch aus Dampfwerken des großen R.W.E.-Konzerns angeliefert wird. Auch der Nachtstrom des Laufwerkes Hengstey wird hier nutzbringend mitverwandt. Dieser Abfallstrom ging bisher verloren, weil er nicht abgesetzt werden konnte. Am Tage, wenn der erhöhte Spitzenbedarf einsetzt, findet die so gespeicherte Wassermenge durch die Turbinen wiederum ihren Abfluß in den See, hierbei wertvollen Tagesstrom erzeugend. Im Jahre werden so durchschnittlich 130 Millionen kWh wertvollsten Stromes erzeugt. Speicherpumpen und Turbinen stehen nebeneinander in einer etwa 160 m langen Maschinenhalle am Ufer des Sees unmittelbar unterhalb des Höhenbeckens. Es sind 4 Maschinensätze von je etwa 46000 Pferdestärken mit horizontalen Wellen eingebaut. Ein jeder Satz besteht aus Turbine, Pumpe und dem dazwischenliegenden Motor-Generator, zum anderen der Turbine als Stromerzeuger dient.
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Die Schaltanlage ist eine geschlossene 10000- und eine offene 110000-Volt-Anlage, die zunächst neben dem Gebäude geplant, später aber hinter die Maschinenhalle gesetzt worden ist.
Mit der Bauausführung des Hengsteywerkes wurde im April 1926 begonnen. Die Bauzeit mußte so kurz wie möglich gestaltet werden. Das dementsprechend aufgestellte Bauprogramm sah daher vor, die Flußkläranlage nebst dem Laufwerk am Wehr in Hengstey im Frühjahr 1928 in Betrieb zu nehmen, was tatsächlich schon im März 1928 möglich wurde, obwohl die beiden Baujahre bezüglich der Wetterlage nicht allzu günstig waren. Nachdem man 1926 den Bau der ersten Wehrhälfte und den Krafthaus-Unterbau fertigstellen konnte, wurde 1927 die zweite Wehrhälfte, der Krafthaus-Hochbau und die Installationsarbeiten im Maschinen- und Schalthaus in der Hauptsache fertiggestellt. Mit den Bauarbeiten für das Speicherwerk wurde im Herbst 1927 begonnen. Auch dieses Werk ist fertiggestellt, so daß die gesamte wasserwirtschaftliche Anlage am Hengsteysee nunmehr in Betrieb ist.
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Quelle:

Der Hengsteysee im neugestalteten Ruhrtal als Erholungsstätte und Kraftquelle

Herausgegeben von der Seegesellschaft m. b. H. Hengstey,
bearbeitet
von Dipl.-Ing. Oskar Spetzler, Essen
und Dipl.-Ing. Hans Strobel, Dortmund
Im Selbstverlag der Seegesellschaft m. b. H. Hengstey
Essen - Ruhrhaus, 1930

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Stand: 28.3.2000