Syburg - Die Orgeln in der Kirche St. Peter Übersicht

Die Orgeln in der Kirche St. Peter zu Syburg
und ihre Vorgeschichte

† Willi Kuhlmann

Ob in der Erstkirche - 776 urkundlich erwähnt und 799 durch Papst Leo III. mit Einsetzung einer Wallfahrt geweiht - Musikinstrumente vorhanden waren oder benutzt wurden, ist unbekannt.

Von der Zeit der Erbauung der jetzigen Kirche um 1100 bis zur Zeit der Reformation läßt sich in Bezug auf Musikinstrumente nichts ermitteln. 1589 schrieb der Pastor Luermann, der die Reformation in Syburg durchsetzte, nieder, er habe alles vernichtet, was an Papst- und Heidentum erinnere. Gleichzeitig verlegte er seinen Wohnsitz nach Westhofen, erwarb die Spieckersche Kapelle und erklärte sie nach Umbau zur Hauptkirche im Reichshof Westhofen, was bis dahin die Syburger Kirche war. In der Syburger Kirche fanden von da ab nur noch Gottesdienste an hohen Feiertagen und zu Beerdigungen von Bewohnern aus den Ortschaften Garenfeld, Holzen, Syburg, Wandhofen und Westhofen auf dem Syburger Kirchhof statt. Aus diesem Grunde ist das Vorhandensein eines Musikinstrumentes in dieser Zeit unwahrscheinlich.

Erste Nachricht über die Praxis des Gemeindegesangs bzw. seine Begleitung in Syburg ist in der Kirchenstreitakte Syburg - Westhofen zu finden.
Darin heißt es, daß die Syburger vor dem Märkischen Gericht in Hagen, später vor dem Märkischen Landgericht in Unna, dem Gericht bei der Regierung zu Cleve und letztendlich am Preußischen Kammergericht zu Berlin einen Prozeß anstrengten, da die Pastorenstelle in Westhofen vakant war, und sie auf diesem Wege wieder einen Pastor zu bekommen glaubten, weil der seinerzeitige Schulmeister nicht singen konnte und somit nicht als Vorsänger taugte - was sie von einem Pastor als selbstverständlich voraussetzten. Sie begründeten ihr Anliegen am 9. Januar 1775 unter anderem mit folgenden Worten:
"... und auf der anderen Seite die Versäumniß der Jugend und überhaupt alle widrigen Folgen vorgebeuget werden, weiche durch die Einrichtung eines Predigers entstehen. Zu Bestellung eines tüchtigen Schul Meisters der auch singen kann ist nicht die geringste Hoffnung das Gehalt für denselben ist allzugering und der jetzige Schulmeister muß sich deswegen auf den Ackerbau legen, mithin fehlet es der Jugend an dem gehörigen Unterricht, welche also wie das Holtz im Walde aufwächset. Um allen diesen Inceonrenienentzien [sic!] abzuhelfen, ist kein ander Mittel, als daß die alte Verfassung in allen puncten zu observantz kommen ..." 1

Am Preußischen Kammergericht wurde ihnen zwar kein eigener Pastor zugesprochen, der Gottesdienst durch den Pastor zu Westhofen mußte jedoch von nun an "in den sechs Sommermonaten je um den anderen Sonntag und in den Wintermonaten je um den vierten Sonntag in der Kirche zu Syburg ... gehalten werden, dazu an den hohen Feiertagen, wie Weihnachten, Charfreitag, Ostern und Pfingsten"2 sowie zu den Beerdigungen.

1 Archiv der Ev. Kirchengemeinde Westhofen
2 ebda.

Trotz sechsjährigem Gerichtsstreit war es den Syburgern nicht gelungen, einen eigenen Pastor zu bekommen. Dieser Wunsch wurde ihnen erst am 1. August 1897 erfüllt, als die Gemeinde Syburg selbständig wurde.

Bei der Forschung, wann nun die erste Orgel in Syburg installiert wurde, fand man in der Steuerliste von Syburg aus dem Jahre 1854 einen Orgelbauer Adam Fischer, wohnhaft auf Haus Husen. Da zur gleichen Zeit die Kirche wegen Nässe saniert wurde, lag die Vermutung nahe, Fischer habe die erste Orgel installiert. Über sein Wirken berichtet Klaus Döhring in dem Buch "Der Orgelbau im Kreis Warendorf":
Adam Fischer war der Sohn des Orgelbauers Anton Fischer aus Werl. 1847 legt Adam Fischer aus Boele in Westönnen einen Kostenvoranschlag vor, 1860 schickt er aus Herdecke eine Rechnung für eine Orgelreparatur an die Kirchengemeinde St. Marien in Ahlen und so weiter. Über mögliche Aktivitäten Fischers in Syburg sind keine Unterlagen erhalten.

Bevor die Syburger Kirche die erste Orgel bekam, befand sich der mündlichen Überlieferung nach ein Harmonium in der Kirche, das nach dem Orgeleinbau in der evangelischen Schule in Syburg seinen Platz fand. Schriftliche Unterlagen darüber sind leider nicht erhalten.

Von der ersten Orgel wird im "Lagerbuch der evangel. Kirchengemeinde Syburg" (Inventarbuch) auf Seite 39 unter Punkt 3 wie folgt berichtet:
"Eine Orgel nebst Bank und Galerie, In Geld 900 Mark, Geschenk des Herrn Kirchmeisters Overweg."

Erläuterung zu Punkt 3: Die Orgel von 1896
"Die von dem Herrn Gutsbesitzer Adolf Overweg zu Reichsmark im Jahre 1896 geschenkte, in der Kirche zu Syburg aufgestellte Orgel enthält 4 Register: "Prinzipal 4'", "Gedeckt 8'", "Flöte 8'", "Salicional 8'". Die Pfeifen des Prinzipals und Salicionals bestehen aus Metall, die des Gedeckt und der Flöte aus Holz. Salicional ist in der tiefen Oktave mit der Flöte verbunden. Die Klaviatur hat 54 Tasten. Das Werk enthält im Ganzen 204 Pfeifen. Die Windlade (Schleiflade) ist aus Eichenholz gefertigt. Die Mechanik besteht aus Winkeln, Wellen und Abstrakten. Das "Pedal" ist mit den Tasten des Manuals verbunden und hat 27 Tasten. Das Gebläse ist ein Magazinbalg mit 2 Falten und 2 Schöpfbälge.
Das Gehäuse ist aus Tannenholz hergestellt mit blinden Prospektpfeifen. Dasselbe ist in Eichenholz colloriert; die Säulencapitälchen vergoldet. Der Spieltisch befindet sich an der Seite.
Die Orgelbühne besteht aus Eichenholz und ist für die Aufstellung der Orgel unter dem Turm der Kirche zu diesem Zwecke neu eingebaut auf Kosten des Herrn Overweg zu Reichsmark."

Für den Aufgang zur Orgelbühne wurde im Turmhof eine Holztreppe eingebaut. Der Fußblasebalg wurde im Gottesdienst von den männlichen Konfirmanden bedient, im Kindergottesdienst von den kräftigsten Jungen. Diese Orgel, deren Erbauer unbekannt ist, stand bis 1930.

Heinrich Rienhöfer, erster Lehrer an der evangelischen Schule Syburg, war in dieser Zeit Organist, denn er schreibt selbst in der Schulchronik am 8. August 1898:
Durch die Königl. Regierung in Arnsberg ist zur Abtrennung der niederen Küsterdienste von der ersten Lehrer-, Kantor- und Küsterstelle, sowie zur Herstellung der dauernden Verbindung dieser Stelle mit dem Organistenamte durch Schreiben vom 16. Dec. 1898 die Genehmigung erteilt und der Mehrbetrag an Grundgehalt für diese Stelle auf jährlich 150 M festgesetzt worden. Am 1. Februar 1899 hat das Königl. Konsistorium in Münster seine Genehmigung erteilt und sich mit der Entschädigung des anzustellenden Unterküsters mit 204,69 M einverstanden erklärt.

In den Jahren 1929 und 1930 wurde die Kirche renoviert und erhielt die zweite Orgel. Die Eintragung im Lagerbuch lautet (Ergänzungen und Erläuterungen in [ ]):
Im Jahre 1930 wurde, da die bisherige Orgel unbrauchbar geworden war, eine neue Orgel, von der Orgelbauanstalt Paul Faust in Schwelm gefertigte, eingebaut. Die Orgel befindet sich auf dem Kirchenspeicher über dem Schiff in einer mit Jalousien versehenen Tonhalle; der Spieltisch ist auf der Orgelempore. Die Vertragssumme war 12000.- R.M. Das Abnahmegutachten erstattete der Organist Herr Gerard Bunk, Dortmund. Das I. Manual (C-g'''', 68 Noten) umfaßt Prinzipal 8', Jubalflöte 8', Prestant 4'. Das zweite gleiche Manual, von ebenfalls 68 Noten, umfaßt 8 1/2' [Register], L. Bordun 8', Aeoline 8', Vox coelestis 8', B[l]ockflöte 4', Waldhorn 8', Gemshornquinte 2 2/3', Waldflöte 2', Terzflöte 1 3/5', Echocornett 2 2/3 dreifach. Das Pedal C-f', 30 Noten, umfaßt Subbahs [hs=ß] 16', Zar[t]bahs 16', Octavbahs 8'. Dazu kom=[men] 18 Coppeln und Spielhilfen. Eingetragen zufolge Konsistorial=Verfügung vom 24. Oktober 1932 No. 6036 / Syb. 8. Die Faust-Orgel

Kirchenmusikdirektor Gerard Bunk, Organist an St. Reinoldi in Dortmund, kam noch mehrere Jahre wöchentlich in die Syburger Kirche, um die Orgel zu spielen. Auf Befragen antwortete er, eine solche Akustik - wohl entstanden durch die Aufstellung als Fernorgel und die Qualität der Orgel - habe selbst St. Reinoldi nicht.

Über den Orgelbauer Paul Faust berichtet Manfred Schwartz in dem Buch "Eins aber ist Not... - 100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Adenau 1894 - 1994":
Paul Faust (1872-1953), baute über 260 Orgeln, die sich durch die Qualität der Arbeit und das hohe künstlerische Können des Faust auf dem Gebiet der Intonation1 auszeichneten und ihm zu dieser Karriere verhalfen.

Diese Orgel wurde durch eine Fliegerbombe am 7. März 1945 zerstört.

Organisten der Faust-Orgel:
1930 - 1935 Werner Kohlmeier aus Westhofen
1936 - 1942 Ernst Hué aus Hörde
1943 - 1945 bedingt durch den Krieg wechselnde Personen

Vom 3. April 1955, dem Tag des ersten Gottesdienstes (mit Konfirmation) nach dem Wiederaufbau der Kirche, bis 1960 wurde ein von Lehrer Paul Blecher zur Verfügung gestelltes Harmonium als Musikinstrument benutzt, das von Dr. Hans Herling gespielt wurde.

Quellen, soweit nicht im Text genannt:
Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Westhofen
Privatsammlung W. Kuhlmann

1 siehe "Kleines Orgellexikon", S. 23
2 Zeichnungen: W. Kuhlmann


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Stand: 15.12.2003